Stichlinge 2017: Kurzweilig, knackig, spritzig

Kurzweilig, knackig, spritzig zeigt sich das Kabarett Mindener Stichlinge mit Kirsten Gerlhof, Frank Oesterwinter, Dietrich Weisemann und Annika Hus in seinem aktuellen Programm. Foto: Amtage

Kurzweilig, knackig, spritzig zeigt sich das Kabarett Mindener Stichlinge mit Kirsten Gerlhof, Frank Oesterwinter, Dietrich Weisemann und Annika Hus in seinem aktuellen Programm. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Ältestes Amateurkabarett Deutschlands zeigt sich bei Premiere in Minden munterer denn je

Von Hans-Jürgen Amtage

Minden (PAM). „Geht’s noch?“ fragen die Mindener Stichlinge in ihrem aktuellen Programm. Ja, und wie, lautet die Antwort nach der Premiere, der inzwischen 51., am Freitagabend.

Wer glaubt, Deutschlands ältestes Amateurkabarett sei in die Jahre gekommen, hat recht – zumindest zu einem Dreiviertel. Das hat den Vorteil, dass die Stichlinge Veränderungen im Ensemble leichter wegstecken. Denn die Erfahrung der Akteure macht’s, wie sich einmal mehr zum Auftakt der Stichel-Saison 2017 im Vortragssaal der Sparkasse Minden-Lübbecke zeigt.

Kirsten Gerlhof, Frank Oesterwinter und Annika Hus, inzwischen die kabarettistischen Urgesteine der Mindener Stichlinge, nehmen den Neuen namens Dietrich Weisemann in ihren Reihen auf, als habe es keine Veränderungen in der Besetzung gegeben. Dem Ganzen entgegen kommt noch das auf jeden Einzelnen zugeschnittene Programm, das Ober-Stichling Birger Hausmann gemeinsam mit dem Altmeister des geschliffen-witzigen Wortes Dieter Fechner und den Mitstreitern Jürgen Juchtmann und Volker Aschenbruck arrangiert hat. Am Ende – nach gut zwei Stunden – steht ein Gesamtwerk, das das Jubiläumsprogramm des vergangenen Jahres sogar noch toppt.

So fragt sich der Zuschauer mit Blick auf die Uhr: „Ja, ist denn schon Feierabend“ – und muss sich die Frage selbst mit „ja, leider“ beantworten. Denn vom musikalischen Auftakt zum Song „Thriller“ mit Stephan Winkelhake am Klavier bis zum letzten regulären Programmpunkt „Berliner Luft“ verfliegt die Zeit mit kurzweiligen, knackigen und spritzigen Auftritten der vier Protagonisten.

Kabarett und Realsatire

Da sind kurze Unsicherheiten zu Beginn schon nach Minuten vergessen, auch wenn der AfD-lastige Start zunächst schwer im Magen der Zuschauer liegen bleibt. Apropos AfD und Kabarett – man muss sich inzwischen fragen, ob trotz aller verbaler Spitzfindigkeiten ein Kabarett die bittere Realsatire eines Björn Höcke überhaupt noch übertreffen kann. Denn den gefährlich-geistigen Müll dieses und anderer Hetzer können Kabarettisten gar nicht so schnell aufsammeln und in ein Programm sortieren, wie er von diesen Aufrechtdeutschen produziert wird.

Doch glücklicherweise gibt es noch viele weitere Themen, die sich lohnen, kritisch-ironisch auf die Bühne gebracht zu werden, wie die Stichlinge glänzend beweisen. Das ist vor allem auch Kirsten Gerlhof und dem kabarettistischen Schwergewicht Frank Oesterwinter (tausendmal hat er sich gewogen, tausendmal hat ihn die Waage belogen – wie er singt) zu verdanken. Sie sind die festen Größen, wie auch ihre Soloauftritte zeigen. Unschlagbar inzwischen Kirsten Gerlhof als Kanzlerin Merkel, die in „Das Wort zum …“ eine geniale Persiflage auf „Wir schaffen das“ präsentiert, während Oesterwinter in „Tweety“ genüsslich bei einem „Likör aus Eiern mit zwei Wippermännchen“ über das Schreddern von männlichen Küken sinniert.

Mindener Stichlinge mit Lokalkolorit

Äußerst quirlig zeigt sich wieder Annika Hus, altersmäßig das Kabarett-Küken in der Mannschaft, aber als festes Ensemblemitglied nicht mehr wegzudenken – auch wenn sie bei ihrem umjubelten Auftritt in „Miss Europa“ ihre Grimassen ziehenden Background-Sänger „nervt“. Bleibt der Vierte im Bunde: Dietrich Weisemann. Er ist an die Stelle von Rolf Berkenbrink gerückt, der krankheitsbedingt das aktuelle Programm aus dem Publikum heraus betrachten muss. 40 Jahre lang hat der Herforder als Amateurschauspieler auf der Bühne gestanden, jetzt wechselte der Ruheständler zum Kabarett und setzt mit seiner Ruhe und guter Stimme die leisen Momente in dem schwungvollen Programm.

So lebt das Programm Nummer 51, das mit Minden-Doktor Jürgen Juchtmann und seiner „Diagnose“ auch wieder pointiertes Lokalkolorit mit sich bringt, von den Eigenheiten der Kabarettisten der Mindener Stichlinge und schafft am Ende unter dem großen Applaus des Publikums ein Gefühl, das da sagt: Das kann ich mir auch noch ein zweites Mal ansehen.

Die Termine

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