Wegen Notunterkunft: Schulsport muss in Halle der Bundeswehr ausweichen

Minden. Die Regierungspräsidentin der Bezirksregierung Detmold, Marianne Thomann-Stahl, hat dem Ersten Beigeordneten der Stadt Minden, Peter Kienzle, am Dienstag telefonisch mitgeteilt, dass die Notunterkunft für Flüchtlinge in Minden-Häverstädt „bis auf Weiteres“ bestehen bleiben muss. Es wird weiter um Amtshilfe gebeten. Ursprünglich war angekündigt worden, dass Notunterkünfte in Sporthallen und Schulen bis zum Ende der NRW-Schulferien wieder frei werden. Die Bezirksregierung arbeite mit Hochdruck an größeren Ersatzlösungen, deren Bereitstellung aber noch Zeit erfordere, so Kienzle.

Mit dieser Nachricht müssen Schul- und Sportbüro der Stadt Minden nun die bereits angedachten Alternativen für den Schul- und Vereinssport, der sonst in der Halle am Schülerweg läuft, umsetzen, teilt die Stadt in einer Presseerklärung mit. Die Dreifachsporthalle, in der seit Montag, 27. Juli, rund 140 Asylsuchende untergebracht sind, nutzen neben zahlreichen Vereinen auch die Käthe-Kollwitz-Realschule und die benachbarte Grundschule Am Wiehen. Für den Schulsport der „Käthe“, die seit Anfang 2015 ihren Standort in der ehemaligen Hauptschule Minden-Süd (Piwittskamp) hat, konnte nach Gesprächen mit der Bundeswehr am Standort Minden, das sind das Pionierregiment 100 und das Panzerpionierbataillon 130, eine Übergangslösung gefunden werden.

Die Sporthalle Minden-Süd wird weiterhin als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Foto: Stadt Minden

Die Sporthalle Minden-Süd wird weiterhin als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Foto: Stadt Minden

„Die Bundeswehr stellt ihre Sporthalle für 20 Schulsportstunden zur Verfügung. Wir haben uns sehr über diese Zusage gefreut“, fasst Katja Everding, stellvertretende Leiterin des Schulbüros zusammen. Ausdrücklich hebt sie die Kooperationsbereitschaft der Realschul-Leitung hervor. Denn sonst wird fast die doppelte Stundenzahl an Schulsport erteilt. In der Halle der Bundeswehr werden ab kommenden Mittwoch immer zwei Klassen gemeinsam unterrichtet, die mit Bus transportiert werden. Der Zugang auf das Bundeswehrgelände erfolgt über das Haupttor, wo sonst alle Besucher/innen einzeln kontrolliert werden. Für die Schulklassen gebe es aber einen vereinfachten Zutritt. Die Sportlehrer erhalten einen Sonderausweis und müssen sicher stellen, dass nur ihre eigenen Schülerinnen und Schüler das Gelände betreten, so Oberleutnant Mario Erxleben, Pressesprecher der Bundeswehr am Standort Minden.

Die Grundschule Am Wiehen in Minden-Häverstädt hat eine eigene Einfachsporthalle auf dem Gelände, nutzt aber sonst auch die Dreifachsporthalle an der ehemaligen Realschule. Auch hier kann der Schulsport ab Mittwoch nur noch eingeschränkt laufen, teilt Katja Everding mit. Mit der Leitung sei abgesprochen, dass der Sport der Klassen, solange die Halle am Schülerweg weiter als Flüchtlings-Unterkunft genutzt werde, nur noch in der Einfach-Halle und auf dem benachbarten Sportplatz stattfinden kann. Den Sportplätz nutzt auch der SV Bölhorst-Häverstädt mit Fußballmannschaften. Diese ziehen sich jetzt in den Umkleiden der Grundschul-Sporthalle um.

Zahlreiche Gespräche haben in diesen Tagen auch die Leiterin des Bereiches Kultur und Sport, Nina Renner, sowie Henrik Thielking aus dem Sportbüro geführt. Denn auch verschiedene Vereine nutzen die Sporthalle Minden-Süd. „Wir haben zu allen Vereinen Kontakt aufgenommen und möchten uns für das entgegenbrachte Verständnis herzlich bedanken“, so Thielking. Die Halle nutzen der MTV 1860, SV Bölhorst-Häverstädt, HSV Minden-Nord, TSV Hahlen, FT Dützen, der Herzsportverein und verschiedene Betriebssportgemeinschaften. Für den Herzsportverein werde derzeit noch nach einer Ersatzlösung gesucht, so Henrik Thielking. Rund 40 Teilnehmer betreiben einmal pro Woche Reha-Sport unter ärztlicher Anleitung, der nicht ausfallen darf. „Wir sind da am Ball“, berichtet Thielking.

Ganz auf Hallenzeiten in Häverstädt verzichten müssen vorläufig die Betriebssportgruppen. „Für diese konnte keine Alternative vermittelt werden, weil alle an feste Zeiten gebunden sind“, berichtet Nina Renner. Die übrigen, betroffenen Vereine haben in mehreren Mindener Hallen Zeiten, die jetzt von den Abteilungen geteilt werden müssten. „Die jetzige Situation führt zweifellos zu Engpässen beim Vereinssport“, fasst Renner zusammen. Nicht für alle Belegungen gebe es Alternativen. Problematisch wird es mit Trainingszeiten – hier wäre vor allem der SV Bölhorst-Häverstädt davon betroffen – wenn die Notunterkunft bis nach den Herbstferien (Mitte Oktober) bestehen bleibt. „Dann geht der Verein mit den Fußballmannschaften in die Halle“, so die Bereichsleiterin. Ab Herbst gebe es zusätzlich auch Wettkampfbelegungen an Wochenenden. Das Sportbüro habe dieses im Blick. Momentan gebe es aber noch keine Aussage von der Bezirksregierung darüber, wie lange die Sporthalle für die Flüchtlinge noch benötigt werde. Das mache die Planungen schwierig.

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