Quartierslösungen können die Pflegesituation vor Ort verbessern

Was müssen wir heute tun, um den Pflegeberuf für die zukünftigen Herausforderungen zu stärken? Dieser Frage gingen der designierte Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus (4. v. l.) und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (6. v. l.) auf Einladung der Diakonie Stiftung Salem nach. Foto: Pressebüro Amtage

Was müssen wir heute tun, um den Pflegeberuf für die zukünftigen Herausforderungen zu stärken? Dieser Frage gingen der designierte Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus (4. v. l.) und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (6. v. l.) auf Einladung der Diakonie Stiftung Salem nach. Foto: Pressebüro Amtage

Minden (MiX). Die Forderung von Pflegekräften und vieler Fachverbände nach einer verstärkten Selbstverwaltung im Pflegebereich kann in einer Kammer für Pflegeberufe münden.

Das wurde am Freitag in einer Diskussion mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und dem designierten Pflegebeauftragen der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, in Minden deutlich. Eingeladen zu der Gesprächsrunde hatte die Diakonie Stiftung Salem. Beide Diskussionsteilnehmer sprachen sich vor etwa 100 Gästen vor allem aus dem Pflegebereich dafür aus, dass die Pflege eine Institution brauche, um ihre Anliegen optimal zu vertreten. Bereits im Herbst könne das angestrebt werden. Unter den Zuhörern waren auch die Mindener Landtagsabgeordneten Kirstin Korte (CDU), Christina Weng (SPD) und Mindens Bürgermeister Michael Jäcke.

„Alles, was rechtlich eben geht, sollte einer solchen Kammer übertragen werden“, erklärte Laumann, der die Erstellung eines Eckpunktepapiers für die Einrichtung einer Pflegekammer empfahl. „Allerdings können wir den Ball nur auf den Elfmeterpunkt legen. Das Tor müssen Sie selbst schießen“, verwies der Minister in Richtung Auditorium auf nur eingeschränkte Möglichkeiten der Politik bei diesem Thema.

Pflegeberufe besonders angesehen

Hintergrund für die Forderung nach einer Kammer ist die bislang eingeschränkte Handlungsmöglichkeit der Pflegenden in entscheidenden Gremien. In der Umsetzung des Gesundheitsmodernisierungs- und des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes sind die Pflegeverbände zwar stellenweise eingebunden, in letzter Konsequenz aber entscheiden die bestehenden Selbstverwaltungsorgane, schilderte Westerfellhaus.

Politische Einflussmöglichkeiten dagegen gibt es bei der Gesetzgebung zum Sozialgesetzbuch. Schon jetzt seien vor allem die Allgemeinmediziner überlastet, betonte Karl-Josef Laumann, wenn es beispielsweise um die Verschreibung von Pflegebedarf gehe. „Warum soll nicht eine Pflegefachkraft, die sich um die zu pflegende Person kümmert, entscheiden, welche Matratze für diese Person die beste ist.“ Eine solche Verantwortungskompetenz bedeute letztlich auch eine emotionale Aufwertung des Berufes. „Es geht hier vor allem auch um Wertschätzung.“

Wenn es um das Sozialprestige von Berufen geht, dann rangieren die Pflegeberufe zwar gleich auf Platz zwei nach der Feuerwehr. Der hohe Stellenwert in der Gesellschaft spiegele sich aber beispielsweise nicht in Arbeitsbedingungen und Gehältern wider, so der Tenor. Wobei der NRW-Gesundheitsminister erklärte, dass, verhielten sich die Arbeitgeber tariforientiert, die Honorierung für eine Pflegekraft nicht schlechter sei als beispielsweise bei Sparkassen-Angestellten. Laumann brach dabei eine Lanze für die kirchlichen Arbeitgeber, die zwar keine Tarifverträge schlössen, sich aber an die Modalitäten dieser Verträge hielten.

Nur ein Beispiel, das bei der Diskussion deutlich wurde, um sich gegen den weiter fortschreitenden Fachkräftemangel in der Pflege zu wenden. So ermittelte die Bertelsmann-Stiftung, dass bis 2030 in Deutschland rund 500.000 Pflegekräfte fehlen werden. Andreas Westerfellhaus wies in diesem Zusammenhang auf die Problematik hin, dass sehr viele Pflegerinnen und Pfleger aus dem Beruf ausschieden oder in Teilzeit wechselten, weil sie nicht mehr könnten. Der meist angeführte Grund sei, es gebe zu wenige Kolleginnen und Kollegen. „Es ist viel zu viel für viel zu wenige.“

Quartierslösungen sorgen für den richtigen Dreiklang

Selbst wenn darüber nachgedacht werde, das System der Zugangsmöglichkeit zu den Pflegeberufen zu verschlanken, beispielsweise durch den Einsatz von Migranten, dürfe die notwendige Qualifikation nicht nach unten gefahren werden, sagte der ehemalige Präsident des Deutschen Pflegerates, Westerfellhaus. „Qualität ist immens wichtig.“

Klare Worte fand Karl-Josef Laumann mit Blick auf die Ausbildungsverpflichtung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Als Beispiel führte er das Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen an, in dem das Land 50 Prozent der Gesellschafteranteile hält. Bei 600 Beschäftigten gebe es nur 14 Auszubildende. „Nicht pro Jahr, sondern über die gesamte Ausbildungszeit.“ Dabei wisse jeder Handwerksbetrieb, dass mindestens zehn Prozent der Gesamtmitarbeiterzahl an Auszubildenden notwendig seien, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. So habe er der Klinik den klaren Auftrag erteilt, die Ausbildungsquote anzupassen.

Beide Diskussionsteilnehmer sprachen sich zudem für Quartierslösungen aus, um für eine optimale Pflegesituation den Dreiklang von Profession, Nachbarschaft/Familie und Ehrenamt zu erzielen. Aus der Zuhörerschaft wurde diese Ansicht verstärkt: „Wir müssen wieder menschlicher werden, denn wir sitzen alle im selben Boot.“

© Text und Foto: Pressebüro Hans-Jürgen Amtage | Minden

 

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