Existenzgründer setzen auf Leidenschaft im Beruf

Tanja Könemann, Andreas Jachmann und Heike Smith (v. l.) wagten in den vergangenen Monaten als Existenzgründer den Sprung in die Selbstständigkeit und wollen so vor allem auch wieder die Leidenschaft am Berufsleben entdecken. Foto: Pressebüro Amtage

Tanja Könemann, Andreas Jachmann und Heike Smith (v. l.) wagten in den vergangenen Monaten als Existenzgründer den Sprung in die Selbstständigkeit und wollen so vor allem auch wieder die Leidenschaft am Berufsleben entdecken. Foto: Pressebüro Amtage

Minden (PAM). „Feel good“ – fühle dich wohl. Der Aufdruck auf dem Shirt von Existenzgründerin Tanja Könemann mag stellvertretend für das stehen, was für den Einstieg in die Selbstständigkeit von großer Bedeutung ist: sich im Berufsleben wohlfühlen.

1776 Gründungen zählte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen im vergangenen Jahr im Kreis Minden-Lübbecke. Nicht mit einberechnet die Existenzgründungen im Bereich Handwerk und Freie Berufe. Mit dieser Zahl steht der Mühlenkreis auf Platz vier der Rangliste in Ostwestfalen – nach der kreisfreien Stadt Bielefeld, den Kreisen Gütersloh und Paderborn. Herford und Höxter folgen auf Minden-Lübbecke. Doch im Gegensatz zu allen anderen sind im Mühlenkreis und in Herford die Anzahl der Gründungen im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht gestiegen, wie Karl-Ernst Hunting, Leiter der IHK-Zweigstelle Minden, gestern vor Journalisten erläuterte.

Damit machte sich im Jahr 2015 fast jeder hundertste Erwerbstätige im Minden-Lübbecker Land im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen selbstständig. „Der Trend zur Nebenerwerbsgründung blieb auch im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 45 Prozent an den gesamten Gründungen bestehen“, erläuterte Hunting. Vor fünf Jahren waren dieses erst 27 Prozent.

Gründungswillige nutzten so unter anderem immer mehr die Möglichkeit, ihren Traum einer eigenen selbstständigen Tätigkeit mit einem geringen Risiko zu verwirklichen. Karl-Ernst Hunting: „Das Gründungsvorhaben wird auf diese Weise vorerst am Markt getestet.“

Existenzgründer verlassen sich auf das eigene Gespür

Drei Existenzgründer aus dem Mühlenkreis erläuterten gestern auf Einladung der IHK, was sie bewegt hat, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Dabei steht für Tanja Könemann (40), Heike Smith (55) und Andreas Jachmann (52) die Freude am – neuen – Beruf ganz oben auf der Skala der Faktoren, die für ihre Zukunft wichtig sind.

Die gelernte Bankkauffrau und Versicherungsfachfrau Tanja Könemann entschied sich nach 13 Jahren Tätigkeit für eine Versicherungsgesellschaft und Familiengründung für ein selbstständiges Arbeiten in der Vorsorge- und Finanzplanung. Ihr besonderes Geschäftsmodell: sie arbeitet nicht auf Provisionsbasis für Versicherungen, sondern auf Honorarbasis für ihre Kunden – die sogenannte Nettotariflösung.

In ihrem neuen Job setzt sie besonders auf eine stringente Zeitplanung, feste Bürozeiten in einem außerhalb gelegenen Büro und das „sich nicht ablenken lassen“. Dieses auch im Interesse der Familie.

Nach 38 Jahren im Angestelltenverhältnis wollte auch Heike Smith wieder mit Leidenschaft arbeiten können. Und dieses selbstständig. Kaufmännisches Verständnis und handwerkliches Geschick, die Leidenschaft im Umgang mit Farben brachten sie zum Möbeleinzelhandel mit einem angegliederten Atelier. Dort arbeitet sie Möbelstücke auf, gibt Kurse und Workshops in einem Geschäft, das in einer Fußgängerzone liegt und so auch Laufkundschaft anzieht.

Von großer Bedeutung ist für die 55-Jährige wie für die beiden anderen Gründer, jede Hilfe anzunehmen, ganz besonders auch von der Familie und guten Freunden. „Und auf jeden Fall auf das eigene Gespür verlassen“, wie es der Dritte im Bunde, Andreas Jachmann, beschreibt.

Der 52-Jährige war mehr als 25 Jahre im Außendienst für die Bereiche Gastronomie und Lebensmittel/Feinkost tätig. Der gelernte Restaurantfachmann und studierte Betriebswirt konzentriert sich jetzt mit einem eigenen Geschäft auf die Vermarktung von zumeist deutschen Weinen an Endverbraucher und Gastronomielieferant. Mit einem eigenen Label vertreibt er zudem Feinkost und bietet Wein-Wisser-Abende und Genuss-Abende in einer alten Deele auf dem Lande an.

Dem Onlinehandel etwas entgegen setzen

Besonders diese Eigenvermarktungsstrategien im Handel mit Kursen und Workshops sind für IHK-Gründungsberaterin Nadine Obersundermeyer auffällig. „Hier setzen die Gründer dem Onlinehandel etwas entgegen, was der in dieser Form nicht bieten kann.“

Wobei sich der Onlinehandel im Gründungsgeschehen zunehmend etabliere, weiß Karl-Ernst Hunting. „Jeder sechste neu gegründete Einzelhandelsbetrieb in Ostwestfalen ist nach IHK-Recherchen mittlerweile im weltweiten Datennetz als Händler tätig.“

Betrachtet man die Formen der Neugründung genauer, liegt im Mühlenkreis mit mehr als 60 Prozent der Dienstleistungsbereich an der Spitze. Mit gut 27 Prozent folgen der Handel und knapp elf Prozent das produzierende Gewerbe. Dass die Dienstleistungen ganz vorne liegen, sieht Hunting in dem geringeren Bedarf an Startkapital und mehr zeitlicher Flexibilität.

Etwa Dreiviertel der Gründungen erfolgen als Kleingewerbebetreibende. Dabei sind fast 66 Prozent dieser Gründer männlich, 34 Prozent weiblich. Werte, die sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert haben.

© Pressebüro Hans-Jürgen Amtage – Veröffentlichung des Textes und des Fotos nur mit Genehmigung des Autors.

Link zur IHK-Zweigstelle Minden

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