Bürgermeister Michael Jäcke ein Jahr im Amt

Bürgermeister Michael Jäcke (l.) unterwegs in Rodenbeck mit Kindern aus dem Jugendhaus Westside, die eine Tour für ihren Stadtbezirk ausgearbeitet haben. Foto: Pressestelle Stadt Minden

Bürgermeister Michael Jäcke (l.) unterwegs in Rodenbeck mit Kindern aus dem Jugendhaus Westside, die eine Tour für ihren Stadtbezirk ausgearbeitet haben. Foto (Archiv): Pressestelle Stadt Minden

Minden. „Es war für mich ein bewegtes, besonderes und auch erfolgreiches Jahr“, fasst Michael Jäcke in einem Interview zusammen.

Vor einem Jahr hat er mit einer absoluten Mehrheit von 52,21 Prozent der Stimmen das Amt des Bürgermeisters übernommen. Grund genug jetzt nach gut 365 Tagen zurück und auch nach vorne zu blicken. Seinen Amtseid legte er am 22. Oktober 2015 zu Beginn der Ratssitzung ab. Dort reichte er den 60 Ratsmitgliedern die Hand „für eine konstruktive Zusammenarbeit“ und bezeichnete neben den Themen Bildung und Wirtschaftsförderung die Integration als eine wichtige Aufgabe. Für eine wirklich gelebte Willkommenskultur müssten viele politische Entscheidungen getroffen und zahlreiche Projekte umgesetzt werden, sagte Jäcke vor einem Jahr.

Und wo stehen wir heute in dieser großen Aufgabe? „Rückblickend kann ich sagen, dass wirklich viel geschafft worden ist. Ohne die Hilfe und Unterstützung sehr vieler Ehrenamtlicher wären wir bestimmt nicht so weit“, so der Bürgermeister. Viele Patenschaften sind entstanden, Flüchtlingspaten geschult, zahlreiche Projekte auf die Beine gestellt und Deutschunterricht angeboten worden. Nahezu alle 1200 aufgenommenen Flüchtlinge konnten in 320 angemieteten Wohnungen untergebracht werden – ein Kraftakt, der sich gelohnt hat, wie Jäcke meint.
Bis zu 300 Flüchtlinge waren in einer Notunterkunft untergebracht, die Ende April 2016 wieder aufgelöst werden konnte. „Die Welle der Hilfsbereitschaft war überwältigend“, lobt Jäcke, der diese große Herausforderung mitten in der Hochphase von seinem Vorgänger Michael Buhre übernommen hat. Im Herbst 2015 kamen wöchentlich bis zu 90 Flüchtlinge in Minden an, die untergebracht werden mussten. „Das alles haben wir bewältigen können, weil auch in der Verwaltung hohe Flexibilität und Einsatz gezeigt wurde.“ Noch immer kommen Flüchtlinge. „Aber jetzt ist das besser zu steuern und zu koordinieren“, so der Bürgermeister.

Erste dicke Bretter sind angebohrt

Dicke Bretter wollte er anpacken – wie die Chancengerechtigkeit verbessern. Sind die schon angebohrt? „Ja. Bildung, Kultur und Jugendarbeit spielen für die Zukunft unserer Stadt eine wichtige Rolle. Hier müssen wir die Angebote noch weiter ausbauen. Wir stecken mittendrin in der Schulentwicklungsplanung für die weiterführenden Schulen, haben mit einem Konzept einen neuen Stand der Kulturentwicklung erreicht und beschäftigen uns aktuell auch intensiv mit Stadtteilarbeit“, sagt der Bürgermeister.

So sei es über einen gestellten Förderantrag für das Programm „Hilfe im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ gelungen, knapp drei Millionen Euro für mehrere Projekte nach Minden zu holen. Gefördert werden die Einrichtung eines Stadtteiltreffs als Anlaufstelle und Treffpunkt für Bärenkämpen, die Erweiterung der Kita Bärenkämpen sowie die Ergänzung des bereits laufenden Stadtteilmanagements in Rodenbeck um die Stelle eines Koordinators/einer Koordinatorin für die ehrenamtlichen Aktivitäten. „Es hat sich bewährt, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Wir brauchen in bestimmten Stadtbezirken einfach Treffpunkte und Orte der Begegnung“, hebt Jäcke hervor.
Ein weiteres dominierendes Thema war und ist die Wirtschaftsförderung. Sein erklärtes Ziel ist es, die Betriebe am Standort zu halten, neue zu gewinnen, die Vielfalt insgesamt zu erhalten sowie den Campus Minden weiter zu stärken – Stichwort: Gründung/Förderung von Start-up-Unternehmen. Ein gutes Instrument, Kontakte zu Unternehmen aufzubauen seien vereinbarte Besuche, aber auch das Unternehmerfrühstück zwei Mal pro Jahr. Mit rund 20 Unternehmensleitungen hat Michael Jäcke in seinem ersten Amtsjahr gesprochen und die Betriebe besichtigt. „Das ist mir sehr wichtig. Das werde ich auch weiter so machen“, sagt er.

Direkter Dialog mit Bürgern

Den direkten Dialog sucht er seit Januar 2016 auch mit den Bürgerinnen und Bürgern in seiner Sprechstunde. Dieses Angebot werde sehr gut angenommen. Nahezu alle Termine seien ausgebucht gewesen. Und überhaupt sei er sehr offen für alles. „Ich gehe gerne in die Stadt und spreche mit Leuten, die auf mich zugehen“, sagt Jäcke. „Ich nehme auch gerne Wochenend-Termine wahr. Das ist jedes Mal spannend. Mir ist es wichtig, einfach da zu sein.“ Ist das Amt überhaupt vereinbar mit Familie und Privatleben? Klare Antwort: Ja! „Aber das geht nur, wenn die Familie Unterstützung gibt und wenn man einiges anders organisiert. Wichtig ist mir auch das Laufen, um den Kopf frei zu haben. Dafür muss immer Zeit sein!“

Was gab es sonst noch? Die Rathaussanierung wurde durch einen wichtigen politischen Beschluss auf den Weg gebracht. In der Innenstadtentwicklung geht es mit dem geplanten neuen Geschäftshaus am Scharn, mit der Revitalisierung des ehemaligen Wehmeyer-Hauses und der Neugestaltung der Fußgängerzone weiter. „Dann werden wir ein Handlungskonzept Wohnen erstellen und die Projekte Bildung 2022 sowie Feuerwehr 2020 fortsetzen“, hebt Jäcke hervor. Wichtig für das weitere Handeln sei auch die finanzielle Situation der Stadt Minden. Die Haushaltslage habe sich stabilisiert, erfordere aber weiterhin ein Wirtschaften „mit Augenmaß und klarer Prioritätensetzung.“

Ein Bürgermeister ist auch Chef einer Verwaltung mit mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie ist es hier im ersten Jahr gelaufen? „Mich hat erstaunt, wie eng die Verwaltung in einigen Bereichen mit Personal ausgestattet ist. Das war mir vorher nicht so bewusst, als ich noch ehrenamtlicher Politiker war“, fasst Jäcke zusammen.

Insgesamt sei er sehr offen aufgenommen worden und habe viel Unterstützung erhalten – von seinem engeren Team, vom Verwaltungsvorstand – hier gab es mit zwei neuen Beigeordneten frischen Wind – aber auch aus der gesamten Verwaltung und den Städtischen Betrieben. Ihm war es ebenfalls wichtig, die Dienststellen außerhalb des Rathauses kennenzulernen. So hat er beispielsweise einen Tag bei der Berufsfeuerwehr verbracht: „Das war sehr spannend.“
Und was steht auf dem Plan für das zweite Amtsjahr? Die Innenstadtentwicklung kommt weiter voran. Das neue Geschäftshaus an der Bäckerstraße (ehemals Hertie) wird eröffnen, die Fußgängerzone wird hier ebenfalls neu gestaltet, am Scharn entsteht ein neues Kaufhaus, gegenüber soll ebenfalls gebaut werden. „Dann werden wir in Kürze das Entwicklungskonzept für das Rechte Weserufer angehen. Das Projekt Veranstaltungs- und Kongressarena kann im Frühjahr in die Realisierungsphase gehen, wenn es machbar ist. Der erste Spatenstich für den RegioPort steht an und die neue, große Schachtschleuse als wichtiger Meilenstein der wasserseitigen Anbindung Mindens kann eingeweiht werden“, zählt Jäcke auf.

Ein großes Thema für die nächsten Jahre ist und bleibt die Integration. Mit dem Bau eines neuen Stadtteilzentrums in Bärenkämpen und der Stärkung des Quartiers Rodenbeck seien auch neue Aufgaben verbunden, die Personal erfordern. Die Planung für die Rathaussanierung wird weiter verfeinert und mit Kostenposten belegt. Die Schulentwicklungsplanung wird in die Umsetzung gehen. Möglichweise muss auch hierfür neu gebaut, zumindest aber angebaut werden. Eine Menge Projekte. „Wir haben in jüngster Zeit viel angeschoben und sind damit in den kommenden Jahren gut beschäftigt“, so das Fazit des Bürgermeisters, der sein Amt nicht als Bürde, sondern als Bereicherung sieht. Sein selbst gestecktes Ziel ist es, „dass Minden attraktiv bleibt, diesen Standard hält, möglichst aber noch verbessert.“ Dieses sei eine Aufgabe für alle in Minden.

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