25 Jahre IFD: Wir sind wie verschiedene Blätter an einem Baum

Die Portiers des Inklusions-Musicals „Grand Hotel Vegas“, Roland Schlingmeier (l.) und Jona Prause (r.) empfingen gestern beim Jubiläum des Integrationsfachdienstes Minden-Lübbecke (v. l.) Christian Schultz, Mark Westermann, Cornelia Schöder, Ulrich Adlhoch, Martin Meister, Patsy Hull-Krogull und Michael Hull.  Foto: Hans-Jürgen Amtage

Die Portiers des Inklusions-Musicals „Grand Hotel Vegas“, Roland Schlingmeier (l.) und Jona Prause (r.) empfingen gestern beim Jubiläum des Integrationsfachdienstes Minden-Lübbecke (v. l.) Christian Schultz, Mark Westermann, Cornelia Schöder, Ulrich Adlhoch, Martin Meister, Patsy Hull-Krogull und Michael Hull. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Minden (PAM). „Wenn ich andere ausgrenze, kann ich mich selber nicht mehr weiterentwickeln. Und ich muss lernen, dass es keine Grenzen gibt und dass ich einfach offen für alles bin. Das ist für mich Inklusion.“

Deutliche Worte von Patsy Hull-Krogull. Die Tanzpädagogin und ehemalige Profitanzsportlerin, die gemeinsam mit ihrem Bruder Michael Hull mehrfach Welt- und Europameistertitel holte und unter anderem im benachbarten Lübbecke eine Tanzschule betreibt, macht sich seit 13 Jahren mit der „Patsy & Michael Hull Foundation“ stark für Inklusion durch Tanz und Bewegung. Am Jetzt referierte sie in Minden aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Integrationsfachdienstes (IFD) Minden-Lübbecke über das bundesweite Inklusionsprojekt „Durch Tanz und Bewegung zum Arbeitsmarkt“.

Zwei Welten treffen aufeinander

„Zwei Welten treffen aufeinander“, so formulierte es eingangs des IFD-Festtages der kaufmännische Vorstand der Diakonie Stiftung Salem, Christian Schultz. Die Stiftung trägt gemeinsam mit dem Kreis Minden-Lübbecke den Integrationsfachdienst, der vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) finanziell gefördert wird. Inklusion werde einerseits als wirklichkeitsfremd betrachtet, andererseits stehe sie für die humane Gesellschaft, die die Verschiedenheit anerkenne und annehme, so Schultz. Es sei aber noch ein langer Weg zur inklusiven Gesellschaft. Hier leiste der IFD einen wichtigen Beitrag.

Das sieht auch Kreisdirektorin Cornelia Schöder so, die vor 25 Jahren das erste Gespräch mit IFD-Teamleiter Martin Meister über ein berufliches Praktikum für einen IFD-Klienten beim Kreis Minden-Lübbecke führte. Heute stoße die Thematik „Behinderung und Beruf“ auf großes Interesse, betonte sie in ihrem Grußwort und erinnerte: „Das war nicht immer so.“

Der Integrationsfachdienst leiste hier einen bedeutenden Beitrag durch die individuelle Beratung und Begleitung von Menschen mit Schwerbehinderungen oder psychischen Erkrankungen auf der einen und Arbeitgebern auf der anderen Seite. Der IFD leiste außerdem Hilfe bei der Lösung von Konflikten am Arbeitsplatz, die durch die Behinderung des Arbeitnehmers entstünden. Möglich werde die intensive Tätigkeit durch die enge und vertrauliche Zusammenarbeit.

IFD-Festtag: Unterschiedlichkeit von Menschen anerkennen

Schöder verwies aber auch auf die Problematik, dass es immer schwieriger werde, Menschen mit Behinderungen in den Betrieben zu integrieren. Vor diesem Hintergrund appellierte die Kreisdirektorin: „Wir müssen etwas dafür tun, dass die Unterschiedlichkeit von Menschen in unserer Gesellschaft anerkannt wird.“

Diesen Weg ist Patsy Hull-Krogull gemeinsam mit ihrem Bruder Michael gegangen, wie beide bei dem Festakt aufzeigten. Zuvor hatte LWL-Abteilungsleiter Ulrich Adlhoch aber noch viel Lob für den IFD im Gepäck. Unter anderem verwies er darauf, dass der Minden-Lübbecker Fachdienst eine Vermittlungsquote von 64 Prozent aufweisen könne. Zudem zähle der IFD zu den Top Drei der Dienste in Nordrhein-Westfalen.

Dass die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen ein wichtiger Bestandteil in der deutschen Gesetzgebung sei, daran erinnerte Michael Hull vor den rund 150 Gästen aus Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. „Wir sind wie Blätter an einem Baum. Alle sind verschieden. Und doch gehören alle zusammen.“

Vorurteile abbauen, Selbstbewusstsein gewinnen

Vor diesem Hintergrund habe die Foundation neue Möglichkeiten gesucht, Begegnung zu schaffen und Projekte zu initiieren, in die jeder seine Fähigkeiten einbringen könne, erläuterte Michael Hull. Als Tanzpädagogen leiste er gemeinsam mit seiner Schwester Patsy diese integrative Arbeit, die das Abbauen von Vorurteilen ebenso beinhalte, wie das Gewinnen von Selbstbewusstsein und die Unterstützung der Menschen mit Behinderung bei der Jobsuche.

Ein solch integratives Projekt sind die Musicals, die die Hulls seit 2007 produzieren. Was mit 100 Darstellern begann, davon elf behinderte Darsteller, mündete im vergangenen Jahr in Deutschlands größtem Inklusions-Musical „Grand Hotel Vegas“, das bundesweit rund 1000 Aktive auf die Bühnen brachte, davon rund 500 Menschen mit Behinderungen.

Überschrieben ist dieses Projekt mit „Durch Tanz und Bewegung zum Arbeitsplatz“, gefördert wurde es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben. Es ist das bisher größte Projekt der Patsy & Michael Hull Foundation, das Menschen mit Behinderung und Unternehmen in unvergleichlicher Art und Weise zusammenbrachte. Zwei der Darsteller aus dem Heimatraum, Jona Prause und Roland Schlingmeier, bildeten beim IFD-Festakt das Empfangskomitee – stilgerecht in der Portiersuniform des Grand Hotels Vegas.

Integrationsfachdienst IFD in Minden-Lübbecke

© Weiterverwendung von Text und Foto nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors Hans-Jürgen Amtage | Pressebüro Amtage

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